Entschleunigung mit Kaffee

Der Kaffee ist in aller Regel ein anregendes Getränk und dieses mit dem Gedanken der Entschleunigung in Verbindung zu bringen, liegt zunächst einmal nicht auf der Hand. Und doch kann auch der Kaffee seinen Beitrag dazu leisten, etwas Ruhe in das moderne Leben zu bringen.
Wir leben in einer Zeit, die von Zeitdruck und dem steten Blick auf die Uhr oder den Terminkalender bestimmt wird. Ob man als Arbeitnehmer seinem Chef gefallen will und unter der Angst lebt, dem direkten Vergleich mit anderen Mitarbeitern irgendwann nicht mehr gewachsen zu sein oder ob man sich ein Dasein als eigener Chef gönnt und mit dem Mitbewerber im Nacken die Konkurrenzfähigkeit aufrecht erhalten möchte, immer wieder gilt es, möglichst viel hochwertige Arbeit in möglichst kurzer Zeit abzuliefern. Es liegt im Instinkt des Menschen, dann auch möglichst schnell arbeiten zu wollen, so wie der Urmensch in Notsituationen mit einer adrenalingeschwängerten Beschleunigung der eigenen Bewegungen einer Gefahr leichter zu entkommen wusste. Doch nicht alle Instinkte, die noch in uns Menschen schlummern, sind noch auf das moderne Berufsleben übertragbar. Gleichermaßen wie es unsinnig ist, wenn ein Autofahrer, dessen Benzinvorrat zur Neige geht, instinktiv beginnt schneller Auto zu fahren, um die Tankstelle zu erreichen bevor der Tank leer ist, so benötigt man oft beim hektischen Arbeiten länger als wenn man sich Zeit nimmt, die Arbeit in aller Ruhe und bei vollem Verstand zu Ende zu bringen.

Pausen sind wichtig

Ein großer Irrtum ist es, auf Pausen zu verzichten, im irrigen Glauben diese vermeintlich eingesparte Zeit käme einem frühzeitigeren Abschluss von Arbeiten zu Gute. Meist ist das Gegenteil der Fall und wem es gelingt regelmäßig für ein paar Minuten abzuschalten, der wird anschließend mit neuer Energie und Kreativität die Arbeit nicht nur leichter sondern meist auch schneller bewältigen. Wichtig sind dabei Rituale, die positive Gefühle wecken. Das kann ein Mittagsschlaf sein oder auch eine Kaffeepause. Und mit der richtigen Pause zum ritualisierten Zeitpunkt kann auch eine gute Tasse Kaffee, obwohl das darin enthaltene Koffein durchaus dazu neigt, das Nervensystem anzuregen, auch zur Beruhigung und zur Entschleunigung einen Beitrag leisten.

Kaffeepause oder Kaffeesucht?

Was für ein Gläschen Wein am Abend gilt, hat auch beim Kaffe seine Berechtigung: Alles, was in Maßen genossen wird, soll dem Menschen nicht zum Problem werden. Es benötigt keine pflanzlichen oder chemischen Substanzen für suchtartiges Verhalten. Die Suchtforschung hat ihren Focus ohnehin in den vergangenen Jahren vermehrt auf Verhaltensweisen wie der Internetsucht oder der Spielsucht im Kontext der Multiplayer-Games richten müssen, als der Sucht nach Koffein, die Johann Sebastian Bach noch in seiner Kaffeekantate besingen ließ. Nein, eine gute Tasse Kaffe kann ein guter Grund sein sich einmal eine Pause zu gönnen und ist in diesem Kontext in jedem Falle gesünder als die Zigarettenpause auf dem windigen Parkplatz vor dem Bürogebäude. Die anregende Wirkung des Koffeins verbunden mit dem beruhigenden Ritual der Pause kann zu einer kreativen Kettenreaktion führen.

Übermäßiger Konsum ist auch beim Kaffee nicht zu empfehlen. Denn niemand sollte Herz und Kreislauf über ein gesundes Maß hinaus belasten und die angenehme Wirkung einer Tasse Kaffee stellt sich insbesondere dann ein, wenn der Kaffee in Maßen genossen wird und nicht in Massen. Beim Kaffee verhält es sich nicht anders wie beim Gläschen Wein am Abend: Der genussvolle Konsum kann sich sogar als Gesund erweisen, der übermäßige Konsum kann hingeben nicht empfohlen werden.

Und so kann auch ein Kaffee seinen Beitrag dazu leisten, etwas Ruhe in einer turbulenten Zeit zu finden und die Gedanken von der Arbeit loszulassen. Und vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, dass die Tage oder gar die Jahre immer kürzer werden und dass man immer weniger Ziele tatsächlich verwirklicht bekommt, dann sollte man über Rituale nachdenken, die dazu geeignet sind, das eigene Leben zu entschleunigen.

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